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„Das Röhren darf nicht verstummen”

ULFEN/BLANKENBACH. Sie haben ein wohl formuliertes Ziel, wollen, dass die „Kohlbach”, dabei handelt es sich um eine Art Niemandsland an der Grenze zwischen Hessen und Thüringen, zum Lebensraum für das Rotwild wird. Allerdings sind sie sauer über das Verhalten vom thüringischen Forst und können auch die Entscheidungen vom Hessenforst nicht nachvollziehen, die beiden Jagdvorsteher von Ulfen, Michael Stein, und Blankenbach-Wölfterode, Albert Rimbach.
Leidtragende der unerfreulichen und beklagenswerten Entwicklung an der Landesgrenze sind das aussterbende Rotwild, das dort im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke bleibt, sowie die Jagdpächter und -genossenschaftsvorsteher im Ulfetal und Ringgau, die ohne das Hochwild von großen Verlusten - bis zu 50 Prozent - bedroht sind.

Hilfe vom Jagdverband

Unterstützung finden Stein und Rimbach in Rolf Walter Becker vom Landesjagdverband: „Wir verfolgen unverdrossen einen Weg, der in einem gleichberechtigten Miteinander enden und über die künftige Jagdpraxis in der 'Kohlbach' befinden soll. Wünschenswert wäre es, wenn neben den berechtigen Ansprüchen, die der thüringischen Forstverwaltung zustehen, auch das Interesse der hessischen Jagdpächter berücksichtigt wird”, erklärt Rolf Walter Becker im Gespräch mit der WR.
Zur Erklärung: Die „Kohlbach” ist der östlichste Teil des Rotwildgebietes Seulingswald. Auf Grund starker Bejagung von Thüringer Seite aus werden die hessischen Reviere offenkundig entwertet. Die Sorge ist groß, dass die ohne Frage attraktivste Wildart in den heimischen Revieren bald überhaupt nicht mehr vorhanden ist.

Idealer Korridor für Hirsche

„Wir sehen in dem Niemandsland einen idealen Korridor für Waldtiere, die dort die grüne Landesgrenze passieren können. Ihm kommt in einer Zeit, in der im Naturschutz ständig von Vernetzung, Ökologie und Artenschutz gesprochen wird, eine Trittsteinfunktion zu, denn diese Nahtstelle zwischen West-Thüringen und Ost-Hessen ist eine sehr wichtige Verbindung. Solche Verbindungen erhofft man sich seit der Grenzöffnung auch zwischen den Menschen aus Ost und West, um zusammenzuwachsen und die Gemeinsamkeit zu fördern”, verspricht Rolf Walter Becker, dass er den beiden Jagdvorstehern mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln helfen will.

Kein Mauscheln mehr

„Das Mauscheln muss ein Ende haben, es kann nicht sein, dass in den Forstämtern Entscheidungen nach persönlichem Befinden getroffen werden”, monieren Michael Stein und Albert Rimbach, die hart ins Gericht mit den von den Forstverwaltungen initiierten Drückjagden gehen, bei denen alljährlich rund 40 Hirsche ihr Leben lassen müssen: „Damit werden den Landesforstämtern die Kassen gefüllt, weil jeder teilnehmende Jäger bis zu 250 Euro bezahlen muss”, protestiert Michael Stein, der den Dialog am Runden Tisch mit den Forstverwaltungen anstrebt, um eine vernünftige und für alle Seiten verträgliche Jagdpolitik zu betreiben; „ohne jegliche Polemik, sondern vielmehr seriös und sachlich”, so der Waidmann aus Ulfen.
Der Status des Niemandslandes muss weg, wenn nötig auf juristischem Wege.
Albert Rimbach
„Der Status des Niemandslandes muss weg. Und wenn die Gespräche ohne Einigung bleiben, dann sind juristische Regelungen zu treffen”, macht Albert Rimbach kein Hehl daraus, dass er, dem König der Wälder zuliebe, vor Gericht ziehen wird. Die Lebenserhaltung des Hochwildes ist nicht das einzige Problem, das die beiden Jagdvorsteher in hellem Aufruhr hält: „Die beiden Jagdvorsteher, aber auch wir vom Landesjagdverband fordern des Weiteren einen wesentlich geringeren Holzeinschlag in den Staatswäldern, damit dem Rotwild der Lebensraum nicht zu klein wird”, macht Rolf Walter Becker deutlich, dass Hessen und Thüringen die waldreichsten Bundesländer sind und in besagtem Gebiet das Baumfällen durchaus zurückhaltender gehandhabt werden könnte.

Rotwild ist ein Kulturträger

„Da die gemeinschaftlichen Jagdbezirke in erheblichem Umfang von der Wild- und Waldbewirtschaftung im Staatswald abhängig sind, darf die Forstverwaltung nicht gegen das Interesse der Jagdgenossenschaften arbeiten”, bezeichnet Michael Stein das Rotwild als ein Kulturgut, das über Jahrhunderte hinweg gehegt und gepflegt wurde.
„Das Röhren der Hirsche, das früher gerade in der Brunftzeit bis in unsere Dörfer zu hören war, darf in unserer Heimat nicht verstummen, sondern die stolzen Tiere müssen wieder als Standwild angesiedelt werden; auch auf den Höhen des Ringgaus”, hofft Albert Rimbach auf die Vernunft aller Beteiligten, wenn es denn zum Gespräch am Runden Tisch kommen sollte. „Wir haben schon einmal ein solches Treffen mit den Forstverwaltungen angeleiert. Es ist auch zustande gekommen. Nur wir wurden nicht eingeladen”, schüttelt Albert Rimbach noch heute ungläubig den Kopf über das Vorgehen der Führungskräfte in den Forstverwaltungen.

Aus der Werra Rundschau